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19. März 2011
Ein frommer und fröhlicher Politiker
- ein Nachruf der Neuen Osnabrücker Zeitung (Beate Tenfelde)
Lingen/Berlin. Werner Remmers zog die Menschen in den Bann - mit seinem entwaffnenden Mutterwitz,
seiner Debattierfreude und seiner unkonventionellen Politik. Weit über das Emsland hinaus herrscht
Trauer über den Tod des frommen Christdemokraten. "Ich persönlich habe ihm viel zu verdanken an
Orientierung und Maßstäben", würdigt Bundespräsident Christian Wulff gestern den emsländischen
Politiker, der am Samstag in Lingen im 81. Lebensjahr starb.

2006: (v.l.n.r.) Weihbischof Kettmann, Ministerin Ross-Luttmann und Landrat Hermann Bröring
Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kondoliert der Familie als einer der Ersten und
spricht von einer herausragenden Persönlichkeit. Niedersachsens Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender
David McAllister nimmt Abschied von einem "guten Freund und Vorbild".
"Seine Ausstrahlung und seine Konsequenz haben mich fasziniert", hat Wulff einmal erklärt. Er galt als
"Ziehsohn" von Remmers, der dem 30-jährigen Wulff 1990 das Amt des CDU-Bezirkschefs in Osnabrück-Emsland
übergab und damit Wulffs Karriere vorbereitete. Auch Staatssekretär Hermann Kues und dem emsländischen
Landrat Hermann Bröring hat der Lingener den Weg in die Politik gewiesen.
Nach seiner überraschenden Wahl zum Ministerpräsidenten hatte Ernst Albrecht (CDU) den promovierten Volkswirt
Remmers 1976 in die Landesregierung geholt. Der Emsländer machte schnell Schlagzeilen: Er sprach ohne Schnörkel
und schwamm gern auch gegen den Strom. Das machte ihn bundesweit populär. "Ich denke plattdeutsch", "Der Trend
zum Zweitbuch setzt sich durch" oder "Wer schnell serviert, lässt schon mal einen Teller fallen" - das sind
nur einige der Bonmots, die den Volkswirt mit dem fröhlichen Naturell bekannt gemacht haben.
Viele hielten ihn für den kreativsten Bildungspolitiker Deutschlands. Die CDU in Niedersachsen folgte ihm
allerdings nur murrend, weil er die von der SPD eingeführte Orientierungsstufe und die Gesamtschule beibehielt.
Der überzeugte Verfechter der katholischen Soziallehre hatte in der Politik einen ausgeprägten Hang zum
"Mittelstreifen", wie er es selbst nannte. Sein Kontrahent, der SPD-Intellektuelle Peter von Oertzen, pflegte
zu scherzen: Wäre Remmers nicht katholisch, wäre er sicher Sozialdemokrat geworden.

Zum 60. Geburtstag (v.l.n.r.) Ehefrau Marianne Remmers, Präsidentin Rita Süssmuth, Bruder Walter Remmers
Remmers verstand es, seinen Einfluss zu nutzen - zum Beispiel bei der in den 70er-Jahren äußerst umstrittenen
Gebiets- und Verwaltungsreform. Dass nach heftigen Streitereien eine Spaltung des Emslandes vermieden und zum
1. August 1977 der Großkreis Emsland gebildet wurde, ist in erster Linie ihm zuzuschreiben. Und er war praktisch.
"Denken Sie bloß nicht, die Leute lesen nach Feierabend Goethes Faust mit verteilten Rollen", bemerkte der Sohn
eines Papenburger Malermeisters zum Thema Schwarzarbeit.
Begonnen hatte seine Karriere in der Erwachsenenbildung, als Vizechef des Franz-Hitze-Hauses in Münster und ab
1962 als Leiter des Lingener Ludwig-Windthorst-Hauses. Die weiteren Stationen: 1967 Einzug in den Niedersächsischen
Landtag, 1976 Kultusminister, 1982 bis 1986 CDU-Fraktionschef, bis 1990 Umweltminister in Niedersachsen.
Mit 60 Jahren der Neuanfang: Er wechselte nach Berlin als Gründungsdirektor der Katholischen Akademie.
Genau auf der Schnittstelle zwischen Ost und West in Berlin-Mitte startete Remmers im wiedervereinigten und
säkularisierten Berlin den Aufbau eines katholischen Zentrums. Für ihn war es eine "Steilvorlage des lieben
Gottes". Parallel war der Emsländer Motor für deutsch-polnische Aussöhnung im Maximilian-Kolbe-Werk und
Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Zum 50. Geburtstag hat sich Remmers einen besonderen Wunsch erfüllt: Anstelle von Geschenken bat der Vater von
vier Kindern um eine Spende und gründete damit die Ludwig-Windthorst-Stiftung, die junge Menschen fördert.
"Die meisten denken zu viel und beten zu wenig", sagte Werner Remmers einmal. Er hat beides verbunden und in
Lingen wie Berlin legendäre Tagungen mit Politikern organisiert. 1999 warf ihn ein Schlaganfall auf das
Krankenbett. Eine lange Leidenszeit ging jetzt zu Ende.
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