Dr. Werner Remmers †

Ehrenvorsitzender der Ludwig-Windthorst-Stiftung

3.12.1930geboren in Papenburg/Ems
1951Abitur
Studium der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft in Bonn und Münster
1961Dr. rer. pol. in Münster
Arbeit in der Katholischen Erwachsenenbildung in Münster und Lingen-Holthausen
1962 - 1976Leiter des Ludwig-Windthorst-Hauses in Lingen-Holthausen
1967Wahl in den Niedersächsischen Landtag für den Wahlkreis Lingen/Ems für die CDU
Mitglied im Kultur- und Schulausschuß des Niedersächsischen Landtages
1976 - 1982Niedersächsischer Kultusminister
1979Gründungsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V.
1982 - 1986Vorsitzender der Fraktion der CDU im Niedersächsischen Landtag
1986 - 1990Niedersächsischer Umweltminister
Mitglied des Niedersächsischen Landtages bis 1994
1979 - 1989Mitglied und Vorsitzender des Kuratoriums der Volkswagenstiftung
1991 - 1998Direktor der Katholischen Akademie in Berlin
seit 1983Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Vizepräsident (1988-1997)
1983Gründer und Vorsitzender der Ludwig-Windthorst-Stiftung e.V.; ab 2005 Ehrenvorsitzender
1992 - 2001Präsident des Maximilian-Kolbe-Werkes
19.03.2011Dr. Werner Remmers stirbt nach langem Leiden

Werner Remmers – Stiftungsgründer und katholischer Politiker mit Humor

Der Gründer der Ludwig-Windthorst-Stiftung war überzeugter Emsländer. Wie der einstige Zentrumspolitiker mit dem Wahlkreis Meppen so verband Werner Remmers mit seiner Heimat die Hauptstadt Berlin.

Geboren wurde Werner Remmers 1930 in Papenburg. Als Sohn eines Malermeisters wuchs er am Kanal auf. Als kleiner Junge erlebte er in der Werft- und Hafenstadt den Aufstieg der Nationalsozialisten. Seine Eltern – treue Anhänger der katholischen Zentrumspartei – lehnten die braune Bewegung ab. Als 1938 auch in Papenburg die Synagoge brannte, blickten Vater und Sohn zusammen vom Wegesrand entsetzt auf das Werk der Nazis.

Krank kehrte der Vater aus dem Krieg nach Hause zurück. Die Mutter brachte als selbstständige Schneidermeisterin die Familie durch. Werner Remmers und seine jüngeren Geschwister – zwei Brüder und eine Schwester – durften trotz aller Nöte die Geborgenheit einer gläubigen Familie erleben, zu der noch eine Tante und eine pflegebedürftige Großmutter gehörten. Werner Remmers selbst engagierte sich früh in der katholischen Jugendarbeit, zog nach dem Krieg mit Jugendgruppen auf Wandertouren durchs Land. Seine Gabe zum Humor fiel schon damals – nicht nur positiv – auf: „Remmers stört den Unterricht durch das Stellen erheiternder Fragen“, konnte man im Klassenbuch nachlesen.

Den Gedanken, dem Vater ins Malerhandwerk zu folgen, verwarf Werner Remmers bald. Nach dem Abitur ging er erst nach Bonn und dann nach Münster, um Volkswirtschaft zu studieren. Mit einer Doktorarbeit beim Sozialethiker und späteren Kardinal Joseph Höffner schloss Remmers seine wissenschaftliche Arbeit ab. Die katholische Soziallehre aber wurde ihm dauerhaft geistige Heimat und Kompass. Im katholischen Jugend- und Akademikerverband „Neudeutschland“ fand er viele Freunde und Wegbegleiter.

Im Jahr 1955 erfolgte der Einstieg ins Berufsleben. Werner Remmers wählte die katholische Erwachsenenbildung. Von 1960 bis 1962 war er stellvertretender Direktor im Franz-Hitze-Haus, der katholischen Akademie im Bistum Münster. Nach der Hochzeit im Jahr 1957 mit der Sozialarbeiterin Marianne Lützler die Familiengründung - drei Söhne und eine Tochter wurden geboren.

1962 rief der Bischof von Osnabrück den Emsländer Werner Remmers zurück in die Heimat. Die durch eine Erdölraffinerie reich gewordene Gemeinde Holthausen wollte mit dem Bischof eine Akademie bauen. Der Oberhirte brauchte für das Vorhaben einen Fachmann. Remmers nahm den Auftrag an und setzte gleich Akzente. Nicht ein Heiliger oder ein Bischof sollte dem neuen Haus seinem Namen leihen, sondern ein Politiker: der Zentrumsführer und Gegenspieler Bismarcks - Ludwig Windthorst.

Wie sein Vorbild Windthorst tummelte sich Remmers am liebsten dort, wo seine Kirche selbstverständlich mitten in den öffentlichen Debatten stand. Im Ludwig-Windthorst-Haus spiegelten sich die großen Diskussionen um Konzil, Liturgiereform und die politischen Reformen wie die Bildungsdebatte jener Jahre. Remmers wurde Mitglied der gemeinsamen Synode der westdeutschen Bistümer in Würzburg. Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken wurde er später Vizepräsident.

Ab 1967 wurde immer mehr die Politik zur Leidenschaft des Werner Remmers. Bis 1994 vertrat er stets mit hervorragenden Mehrheiten ausgestattet den Lingener Wahlkreis im niedersächsischen Landtag. Der Christdemokrat wurde schnell zum geachteten Bildungsfachmann im Parlament der Niedersachsen. Sein Humor, die Gabe des schnellen Redens, aber vor allem die Bereitschaft über Gräben hinweg zu denken, ließen ihn zu einem der bekanntesten Landespolitiker werden. Das Parlamentsprotokoll registrierte regelmäßig „Heiterkeit“, wenn der temperamentvolle Emsländer im Parlament redete. In den eigenen Reihen nicht immer unumstritten, gewann Werner Remmers auch im gegnerischen Lager politische Freunde wie den Linken Peter von Oertzen.

Im Jahr 1976 kam in Niedersachsen völlig überraschend die CDU an die Regierung. Werner Remmers wurde unter Ministerpräsident Ernst Albrecht Kultusminister. Es war eine glückliche Zeit für die Union. Interessante und ungewöhnliche Köpfe im Kabinett wie Walter Leisler-Kiep, Eduard Pestel, Birgit Breuel und eben Remmers verschufen der Regierung Ansehen weit über die Landesgrenzen hinaus. Werner Remmers war in diesen Jahren gefragter Gast in den gerade aufkommenden Talkshows. In der Bildungspolitik schaffte er den schwierigen Spagat zwischen den bereits von der früheren SPD-Regierung angeschobenen Reformen und dem Wunsch vieler seiner Parteifreunde, das Rad zurückzudrehen. Remmers predigte eine Politik der Verlässlichkeit. In seiner bilderreichen Sprache nannte er das ein Fahren entlang dem Mittelstreifen. Er wollte eben nicht, wie er es sagte, von dem einen Straßengraben in den anderen schleudern. Mitarbeiter stellten später ein Buch mit seinen besten Sprüchen zusammen - Titel: „Mensch Remmers“. Es fand begeisterte Leser.

1986 dann ein neues Ressort: Werner Remmers wurde erster niedersächsischer Umweltminister. Neben ihm am Kabinettstisch sein Bruder Walter, mittlerweile Justizminister. Angesichts der Querelen um Sondermüll, Verbrennungsanlagen und die Entsorgung radioaktiv belasteter Molke sorgte der Christdemokrat sich zunehmend um die Überforderung von Politik, die nach seiner Beobachtung mit einem Rückzug vieler Menschen ins Private und einer Entscheidungsschwäche der Poltik einherging. Christen sah er aus ihrem Glauben und der daraus erwachsenden Nüchternheit und Hoffnung besonders in der Politik gefordert. „In diesem Sinne wünsche ich mir eine große Koalition aller Christen über alle Parteigrenzen“, schrieb er Ende der 80er Jahre in der Herder Korrespondenz. Schneller als er dachte, konnte Remmers an anderer Stelle daran arbeiten.

1990 verlor die Union die Wahl in Niedersachsen. Die Zeit der Regierungsämter war vorbei. Wie schon bei seinem großen Vorbild Windthorst über 100 Jahre früher wurde es für Remmers Zeit von Hannover nach Berlin zu wechseln. Was bei Windthorst die Reichsgründung war, wurde bei Remmers die wieder gewonnene Einheit. Dort in Berlin sollte er eine katholische Akademie aufbauen. Bevor er sich mit Begeisterung in die neue Aufgabe stürzte, bestellte er zu Hause sein Feld: Den Bezirksvorsitz der CDU in Osnabrück-Emsland gab er ab, um einem jungen Rechtsanwalt Platz zu machen: Christian Wulff, heute Bundespräsident.

Berlin wurde zum Glücksfall für den Emsländer. „Eine Steilvorlage des lieben Gottes“ nannte er das Projekt einer Akademie mitten im Zentrum der neuen und alten Hauptstadt. Christen aus allen Konfessionen und politischen Parteien konnte er für die Sache begeistern. An der Hannoverschen Straße entstand ein katholischer Platz, der alle zum Gespräch einlädt. Sorgenvoll beobachtete Remmers zugleich den Weg seiner Kirche. Als Vizepräsident im Zentralkomitee pflegte er das offene, direkte Wort auch gegenüber Bischöfen: Egal ob Priesterweihe für bewährte, verheiratete Männer oder die Schwangerschaftskonfliktberatung. Remmers stritt sich für und um seine Kirche. Gerade weil er es an Liebe zu ihr nicht fehlen ließ, wünschte er sich eine dialogfähige Kirche.

Bereits durch einen Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt, kam Remmers 2001 noch einmal nach Berlin. Im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft neben dem Reichstag war er dabei, als dort feierlich ein Bild von Ludwig Windthorst aufgehängt wurde. Gestiftet hatte das Bild die Ludwig-Windthorst-Stiftung, die Remmers bereits 1980 bei seinem 50. Geburtstag ins Leben gerufen hat.

Am 19. März 2011 verstarb Dr. Werner Remmers nach langem Leiden.