Ludwig Windthorst

Die Ludwig-Windthorst-Stiftung trägt die politischen, gesellschaftlichen und religiösen Anliegen des großen Zentrumspolitikers (1812-1891) in die heutige Zeit. Sie wurde im Jahr 1982 vom damaligen Niedersächsischen Kultusminister Dr. Werner Remmers (CDU) gegründet.

Ludwig-Windthorst war der wichtigste innenpolitische Gegenspieler des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Über alle Parteigrenzen hinweg galt er als der bedeutendste Parlamentarier seiner Zeit. Er hat die Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte gegen preußische Machtpolitik verteidigt, insbesondere die Religionsfreiheit der Katholiken während des sog. Kulturkampfes. Zugleich hat er als Repräsentant der Zentrumspartei die Eigenständigkeit der Politik gegen kirchliche Bevormundung behauptet.

Als Abgeordneter des Wahlkreises Meppen ist er noch heute ein Vorbild für viele Menschen, die sich politisch, gesellschaftlich und kirchlich im Emsland, im Raum Osnabrück und darüber hinaus engagieren und sich dabei von den Prinzipien der christlichen Soziallehre leiten lassen.

Als Download finden Sie auch die Biografie des katholischen Politikers Ludwig Windthorst.

Kurze Biografie

17.1.1812 Ludwig Windthorst wird in Ostercappeln bei Osnabrück geboren
1822-1830 Besuch des Gymnasiums Carolinum in Osnabrück
1830-1834 Jurastudium in Göttingen und Heidelberg; 1. Staatsexamen
1834-1836 Assessor in Osnabrück; zweites Anwaltsexamen; Dr. jur.
1836 Niederlassung als selbstständiger Anwalt in Osnabrück
29.5.1838  Eheschließung mit Julie Engelen auf Gut Oedingberge bei Glandorf
1842 Bestellung zum Vorsitzenden Rat des Katholischen Konsistoriums in Osnabrück. Die Behörde vertrat die staatlichen Rechte gegenüber der Kirche im Bistum Osnabrück.
1843 Syndikus der Osnabrücker Ritterschaft
1848 Richter im Kriminalsenat des Oberappellationsgerichts in Celle, dem höchsten Gerichtshof des Königreichs Hannover.
1848 Erfolglose Kandidatur zur Frankfurter Nationalversammlung
1849 Wahl zum Abgeordneten der 2. Kammer der allgemeinen Ständeversammlung des Königreichs Hannover. W. vertritt den Wahlkreis Bad Iburg.
1851 Wahl zum Präsidenten der 2. Kammer
1851-1853 Justizminister des Königreichs Hannover. Zum ersten Mal erhält ein Katholik ein Ministeramt.
1854-1857 wieder Abgeordneter der 2. Kammer
1857 Mitwirkung bei der Wiederdotation des Bistums Osnabrück
1857-1862 wieder Anwalt in Osnabrück
1862-1865 Erneute Berufung zum Justizminister
1866 Kronoberanwalt am Oberappellationsgericht in Celle.
1867 Nach der Eroberung des Königreichs Hannover durch Preußen Entlassung aus dem Justizdienst und Pensionierung.
1867 Wahl zum Abgeordneten des Parlaments des norddeutschen Bundes im Wahlkreis Meppen, Aschendorf und Hümmling.
1868 Windthorst vertritt die Welfenfamilie im Streit gegen Preußen um die Rückgabe des konfiszierten Privatbesitzes des Königshauses.
1871 Wahl zum Abgeordneten des Deutschen Reichstags im Wahlkreis Meppen, Lingen und Bentheim
1871 Gründung der Zentrumspartei; Windthorst steigt schnell zum unumstrittenen Führer der Partei auf, auch wenn er nicht den Vorsitz innehat.
1871-1887 Kulturkampf. Er beginnt mit Erlass des „Kanzelparagraphen“.
1872 Jesuitengesetz (Auflösung vieler Orden)
1873 „Maigesetze“: Der preußische Landtag unterstellt das kirchliche Leben ganz der staatlichen Regelung – Maßnahmen gegen Bischöfe und Priester.
1875 Sperrgeldgesetz – staatliche Leistungen an die katholische Kirche werden eingestellt.
1878 W. streitet mit Papst Leo XIII. über den politischen Weg zur Aufhebung der antikirchlichen Gesetze
1878 Windthorst stimmt mit den Sozialdemokraten gegen das Sozialistengesetz
Ab 1880 Allmählicher Abbau der Maigesetze
1886/1887 „Friedensgesetze“ zur Beendigung des Kulturkampfes
1887 „Septennatsstreit“. Bismarcks Forderung, den Heeresetat auf 7 Jahre festzulegen, wird vom Vatikan aus kirchenpolitischen Gründen unterstützt. Der Papst drängt das Zentrum, der Vorlage zuzustimmen, das aufgrund der Fraktionsstärke eine Schlüsselstellung innehat. Windthorst und das Zentrum widersetzen sich, weil das Budgetrecht des Parlaments eingeschränkt und die Bevölkerung finanziell zu stark belastet wird.
6.2.1887 Rede in Köln: Windthorst unterstreicht die Unabhängigkeit des Zentrums vom Papst und betont die Unterscheidung zwischen kirchlichen Belangen und politischer Sachgerechtigkeit.
1890 Windthorst und Franz Hitze gründen den Volksverein für das katholische Deutschland.
14.3.1891 Windthorst stirbt in Berlin an einer Lungenentzündung.